Nähen

Effigy Stays – Start

Erinnert ihr euch daran, dass ich Anfang des Jahres geplant hatte, ein Tudor/Elizabethian inspiriertes Samtkleid zu nähen? Nun, nach einigen anderen Projekten, die ich zwischen geschoben habe, kommt nun der allererste Schritt zum besagten Outfit. Ich fange mit dem Basisteil, mit dem die typisch historische Silhouette fällt und steht: das Korsett oder um es korrekt zu bezeichnen Stays. Stays waren die Vorgänger der uns bekannten Korsetts. Sie waren viel flexibler und weniger daran aus, den Körper einzuschnüren, sondern viel mehr danach ausgerichtet, den Oberkörper in die konische Form zu drücken. Als Grundlage für den Schnitt habe ich mir das Buch „The Tudor Tailor“ gekauft, was ganze und sage ca. zwei Monate gedauert hat, bis es ankam.
Das Buch ist relativ interessant und informativ, wobei ich nicht alles gelesen und angesehen habe, da ich gleich zu den Stays gesprungen bin. Ich hatte die Option, Effigy oder Vernon Stays zu nähen und ich entschied mich fürs erstere. Ich mochte die Form besser und ich finde die verstärkten und übergehenden Tabs cooler, die bei Vernon nur angenäht und ohne Stäbe sind. Ein kleiner Disclaimer: Ich habe nicht den Anspruch historisch korrekt zu nähen. Mir geht es vornehmlich um das Endergebnis und werde daher hier und da von der offiziellen Vorgehensweise abweichen (entweder aus Bequemlichkeit oder aus Kostengründen oder was auch immer).
Der Schnitt ist im Buch vorhanden, aber nur als Diagramm, das mit dem Rasterprinzip in Originalgröße nachgezeichnet wird. Ich kannte bisher nur die andere Technik, die ich bei den japanschen Schnittheften kenne. Da wird der Schnitt mithilfe eines rechteckigen Rahmens nachgezeichnet, wo die Abstände in Zentimeter angegeben sind. Bei „Tudor Tailor“ ist der Schnitt mithilfe eines Rasters machbar, aber das nervige daran war, dass ich die Kästen zuerst von inch in cm umrechnen und dann die Kästchen dementsprechend summieren musste. Da finde ich die japanische Methode besser, weil die Längen sofort ablesbar sind.
Das ist die erste Version des Schnitts, mit einer Zugabe von ca 1,5 cm an Breite, weil ich sichergehen wollte, dass es nicht zu eng wird. Enger nähen geht nämlich immer. Außerdem habe ich durch einige Reviews erfahren, dass die Vorderteile recht hoch/lang sind, deswegen ich von oben ca. 1 cm abgenommen habe. Auch habe ich die Kurve für den Ansatzpunkt für die Träger je 1 cm zur Seitennaht verschoben, damit die Träger wirklich knapp an der Schulterkurve sitzen. Natürlich bin ich vorbildlich vorgegangen und habe ein Mockup aus Canvas genäht.
An einigen strategisch wichtigen Stellen habe ich schnell ein paar Tunnel für die „Stäbe“ eingenäht. Wie ihr eventuell erkennen könnt, habe ich anstelle des historisch korrekten Schilfrohrs einfach dicke Kabelbinder genommen. Erstens habe ich keinen deutschen Anbieter für Schilfrohr für Stays gefunden und zweitens ist Kabelbinder billig. Außerdem ist die Alternative in der Historical Sewing Community recht weit bekannt und scheint gut zu funktionieren. Eine weitere Änderung zur richtigen historischen Nähweise ist die Art, wie ich die Vorderteile an das Rückteil genäht habe. Das Buch sieht vor, dass rechts auf rechts genäht, die Nahtzugaben auf der Innenseite auseinandergefaltet und dann jeweils eingeschlagen und festgenäht wird. Ich fand es nicht so doll/hübsch und habe die Vorderteile einfach mit sich verstürzt.
Nicht perfekt konisch, weil die „Stäbe“ fehlen.
Dann habe ich die Tabs eingeschnitten, die Träger mit Sicherheitsnadeln befestigt und als letztes fix Löcher mit der Ahle an der vorderen Mitte durchgestochen. Mit einer Schnur wurde das Stays in der Spiral Lacing-Methode geschnürt. Die erste Anprobe war recht gut und ich musste sagen, dass die Originalgröße mit den kleinen Änderungen mir relativ passt. Die Sicherheitszugabe von 1,5 cm wäre nicht notwendig gewesen. Aber ich habe beim längeren Tragen festgestellt, dass es doch arg auf meinem Brustkorb drückt und so habe ich Zugabe im Brustkorbbereich belassen und zur Taille hin weggenommen. Da ich einfach zu klein bin, musste ich noch etwas von oben an den Vorderteilen abnehmen und habe die Armausschnittkurve etwas weiter nach unten ausgeschnitten. Nach diesen Änderungen war ich aber zuversichtlich gewesen, dass alles passen wird, und habe den richtigen Stoff zugeschnitten.
Rückteile und Träger
Vorderteile
 Meine Wahl fiel auf roten Leinen. Eigentlich sieht das Buch nur zwei Lagen Stoff vor, aber ich wollte sichergehen, dass das Stays langlebig ist, und habe eine dritte Schicht aus robustem Canvas zugeschnitten, die zwischen den beiden Leinenlagen liegt. Für mehr Spielraum habe ich das Rückteil an der hinteren Mitte geteilt, um dort ebenfalls eine Schnürung einzubauen. So kann ich die Weite vornehmlich hinten regulieren, damit vorne alles geschlossen bliebt.
Als Nächstes kommt das Zusammennähen, Tunnel nähen und „Stäbe“ einsetzen dran.

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