teaser effigy stays
Nähen

Effigy Stays – Teil II

Nachdem die Teile für das Stays (keine Ahnung, was für ein Genus das Wort hat) ging es nun ans Nähen. Hier weiche ich bewusst von der offiziellen Vorgehensweise des Buches ab, wie ich bereits davor erwähnt habe. Zum einen wollte ich eine dritte Lage aus Leinen mit einnähen und zum anderen wollte ich auf der Innenseite keine sichtbaren Nahtzugaben haben.

Deswegen hatte ich das Vorderteil so an das Rückteil genäht, dass die Nahtzugaben komplett innen liegen, also mit sich selbst verstürzt. Dann kamen die Träger dran und schon waren die beiden Hälften zusammengenäht. Der langwierige Schritt kam aber noch, und zwar das Steppen der Tunnel.

Damit die drei Lagen nicht verrutschen, der Leinenzuschnitt wurde einfach zwischengeschoben, wurden die Schichten miteinander geheftet und dann hieß es vertikal nähen, vertikal nähen und vertikal nähen. Im Vorderteil bis zum ersten Tab verlaufen alle Nähte parallel zur vorderen Mitte. Ab da sind die Nähte senkrecht zur Unterkante. Im Rückteil verlaufen die Nähte wie zuvor parallel zur hinteren Mitte. Die jeweils zweiten Tunnel an vorder/hintere Mitte sind breiter, weil dort die Ösen für die Schnürung hinkommen.

Effigy Stays sides
Links mit allen Tunneln, rechts nur geheftet.

Die Stäbe sind mit einigen Ausnahmen ganz normale Industriekabelbinder, die zwei große Vorteile mit sich bringen: Sie sind billig – für ca. 50 Stück à 45 cm Länge habe ich nur einige Euros ausgegeben. Und sie lassen sich relativ einfach kürzen und in Form bringen: Mit der Schere abschneiden und die Enden abschrägen, wenn der Tunnel z. B. spitz zuläuft. Damit die Stäbe nicht den Stoff beschädigen, habe ich die Kunststoffenden mit Schleifpapier glatt geschmirgelt. Lediglich an der vorderen und hinteren Mitte sowie in den ersten Tabs gibt es Spiralfedern aus Metall.

Effigy Stays Tunnel

Der schwierigste Part ist das Einfassen. Die Oberkante ist relativ simpel, weil sie nur Kurven und eine Ecke am Träger aufweist. Aber die Unterkante hat dank den Tabs u-förmige Ecken, die einen Radius von 180 Grad haben. Blogs empfahlen Vorzeichnen und sorgfältiges Anstecken des Schrägbands. Ich übersprang das Vorzeichen und arbeite nur mit Vorstecken. Nach den ersten Versuchen ging mir das Annähen relativ gut von der Hand. Solange man langsam und mit Handrad näht, konnte man einfach die Rundung erwischen. Danach die Nahtzugaben etwas zurückschneiden und das Schrägband auf die Innenseite umschlagen, feststecken und von Hand annähen.

Effigy Stays einfasse

Am Ende waren meine Ängste beim Einfassen unbegründet gewesen, weil das Annähen des Schrägbandes super klappte und es schaut richtig gut aus.

Effigy Stays zwischenpart

Es fehlen jetzt nur noch die Ösen, die ich historisch korrekt von Hand annähte. Als Werkzeug braucht man eine Ahle, dickeres Garn (hierfür nahm ich Extra starkes Garn von Gütermann, weil die Stärke ungefähr die Dicke eines Leinenfadens entspricht) und Nähnadeln. Leider war meine Ahle nicht dick genug, sodass ich mit einer weiteren Ahle aus dem Baumarkt sowie einem Essstäbchen aus Holz das Loch weiter ausdehnte. Durch das Essstäbchen konnte ich die Löcher so so groß machen, dass selbst nach dem Umschlingen das Loch groß genug bleibt, um das Band durchzuziehen.

Effigy Stays Oesen

Die Löcher wurden mit dem Schlingstich umwickelt, weil es hübscher ausschaut und der Stoff mehr stabilisiert wird. Aber an sich ist die Arbeit super langsam und mühselig. Zusätzlich habe ich eine weitere Schnürung im Rücken, was doppelt so viel Arbeit bedeutet.

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