Convention,  Cosplay,  Lolita

DoKomi 2019

Kommt, seht und staunt: Mein Bericht über die DoKomi 2019 ist da! Nach einer doch etwas längeren Zeit konnte ich mich aufraffen, um euch meine Sicht auf die diesjährige DoKomi zu geben. Um damit gehe ich auch gleich ans Eingemachte und verliere nicht viele Worte für den Einstieg!
Ich muss aber euch eines vorwegsagen: Wirklich viel habe ich nicht festgehalten. Die meiste Zeit habe ich einfach nur rumgehangen und Freunde aus verschiedenen Gruppen und an Orten besucht.
So fingen die ersten vier Stunden auf der Con am Samstag damit an, dass ich Freunden bei der Retro-Arcade ausgeholfen habe. Ihnen sind einfach Helfer abgesprungen oder nicht gekommen und da ich immer gerne aushelfe, wenn Not am Mann/Stand ist, habe ich spontan angeboten, mit anzupacken. Also schnell in die Hände gespuckt und den Ü18-Bereich der Arcade aufgebaut. So verging die Zeit, wobei ich zwischendrin noch ein Petticoat zur Abholung verkauft habe, bevor ich wirklich erste Con-Aktivitäten wahrnahm. Die erste bestand zunächst darin, das Lolita-Treffen auf dem Gelände wahrzunehmen. Ich durfte nämlich trotz Cosplay auch auftauchen und mich ein wenig unter den rüschigen Mädels mischen. Ich konnte viele Bekannte/Freunde grüßen und war super überrascht und erfreut, dass so viele Berliner Lolitas dabei waren, u. a. Mio, Mimi oder Cookie.
Ohne mich weil im Cosplay
Das Treffen war ein zwangloses Get-together mit Kennenlernspielchen und es gab dabei u. a. einige Fragen, die ich befürchtet hatte: das Alter und wie lange trägt man schon Lolita. Ihr dürft raten, zu welcher Kategorie ich bei beiden Fragen angehörte … Oldtimer sozusagen!
Ich vergesse immer wieder, wie lange ich dieses Hobby schon mitmache und nachdem so viele aus meiner „Generation“ und diejenigen, die 2-3 Jahren nach mir anfingen, aufhörten, fällt es einfach noch mehr auf, dass ich gute 13 Jahre Lolita-Leben auf dem Buckel habe. Zu den aktiven Lolitas (im Sinne von auf Treffen gehen und regelmäßig öffentlich „auftreten“) müsste ich zu den wenigen Urgesteinen angehören.
Selfie mit der lieben Sutewi
Cosplay Tin Nyanko Sailor Moon
Sailor Tin Nyanko Cosplay
Ich fühlte mich in meinem Tin Nyanko Cosplay aus Sailor Moon recht wohl. Kein Wunder auch, da ich vieles an mir trug, das mir gefällt: Lackleder, Schwarz-rot-Kombi, Korsett und keine Perücke. Es war etwas kühl für den Tag, aber es ging noch. Ich wurde auch recht zügig von anderen erkannt, worüber ich etwas Sorgen gemacht habe, da sie mich nur in Lolita kennen. Aber das war echt kein Problem gewesen.
Den Rest des Tages verbrachte ich damit, Händlerfreunden Hallo zu sagen und in der Künstlerhalle, die nach wie vor einfach riesig ist, die ersten Runden zu ziehen. Nachher verschlug es mich auch noch zur J-Diso, wobei ich mich total auf den DJ Yasutaka Nakata gefreut habe. Ihn kenne (und liebe) ich aus der Zeit, als er noch Capsule produzierte. Andere kennen ihn wohl eher durch Kyary Pamyu Pamyu mit ihrem Hit Ponponpon. Bei ihr war er ebenfalls der Producer gewesen. Seine aktuelle Musik ist auch mehr Kyrary-like, die nicht ganz meine Welle ist. Von daher war es ganz nett, aber leider zu poppig. Ich wollte jetzt auch nicht so lange bleiben, von daher war es nicht schlimm, dass ich recht zeitig wieder ging.
Der erste Sonntagprogrammpunkt bestand daraus, die J-Fashion-Modenschau anzugucken, die nicht wie sonst von Asukatze veranstaltet wurde, sondern von einer anderen Lolita-Gruppe. Und hier muss ich ehrlich sagen: Ich war von der Darbietung sehr enttäuscht! Das lag auf keinen Fall an den Models, die ihre Arbeit gut machten, sondern an der Präsentation und an dem Aufbau. Die Show fing damit an, dass eine minutenlange Slideshow von Meetup-Bildern an die Wand projiziert wurde. Das ist keine Übertreibung … gute zwei Minuten wurden random Bilder von den Treffen der Community, die die Show organisierten, gezeigt. Dabei war die Qualität und Content der Bilder nicht erwähnenswert gewesen. Im Ganzem entsprach es einer typischen Eventgalerie, die mehr Schnapschuss-Charakter hatte. Inwiefern eine Selbstdarstellung dieser Art mit einer Modenschau zu tun hat, ist mir schleierhaft. Dann erst fing die eigentliche Modenschau an und die Models kamen nach und nach auf der Bühne. Bei jeder Person wurde auf der Wand eine Art Steckbrief gezeigt mit Vorname, Alter, Beruf, Lieblingsmode, Hobby und Zitat. Why?
Fokus auf den Text oder Fokus auf das Model?
Zum einem verdeckten die Models den Text, da sie im Projektionslicht standen, und zum anderen möchte ich bei einer Modenschau (Betonung auf „Mode“) die Kleidung sehen und nicht damit verbringen, einen Steckbrief zu lesen. Auch haben die Models es verdient, dass die ganze Aufmerksamkeit auf sie und allein auf sie liegt! Der Abschluss bestand dann darin, dass alle auf die Bühne geholt wurden und einer aus dem Orga-Team sprach: Informationen über die Stile und weitere Erläuterungen hätte ich jetzt erwartet, damit die Show auch einen Lerneffekt hat, aber darüber wurde kein Wort verloren. Eher fielen Sätze wie „Wir wollen euch die Vielfalt der japanischen Mode präsentieren“ und „Wenn ihr jemand auf der Con seht, den ihr toll findet, sagt das auch demjenigen.“
Ich fand das Was, also die Idee, auch die Leute hinter der Mode zu zeigen, ganz gut, aber das Wie, also die allg. Präsentation, das Fehlen der Infos sowohl auf der Mode-Ebene (Wie heißt der Stil? Was macht sie aus? Was ist das Besondere daran? ) als auch auf der Person-Ebene (Warum trage ich das? Wie bin ich darauf gekommen? Was bedeutet Mode XY für mich?), ist in meinen Augen nicht gut umgesetzt worden. Die persönlichen Hintergrundinfos standen zwar teilweise im Text, aber bis ich mit dem Lesen so weit war, stand das Model schon davor und hat die Sicht versperrt. Am Ende hatte ich ganz aufgehört zu lesen und schaute lieber ihnen zu.
Aber einen süßen Moment gab es schon, und zwar gab es ein Duo, bestehend aus Mutter und Kind, und das Kind lief der Mutter in die Arme, als sie schon auf der Bühne war … awwww!
Nach diesem Erlebnis musste ich mich wieder aufpeppen und so ging ich zum Pop-up-Store von Angelic Pretty! Der Store bestand aus einem abgesperrten Kubus von sagen wir mal 3 x 5 m (ich bin schlecht in Schätzungen, daher keine Gewähr) und beinhaltete vier volle Kleiderstangen, einem Accessoire-Regal und einigen Puppen. Er war sehr gut besucht und immer waren Lolitas und auch Interessierte drin gewesen. Ich habe von den Shop-Mädels, Amanda und Kia, erfahren, dass viele sich in ein Kleid verliebten und es sofort kauften! Das ist das Tolle an solchen Pop-up-Stores: Man hat die Chance, die Stücke anzuprobieren! Viele entfalten erst beim Tragen ihre ganze Schönheit oder man entdeckt erst beim Hinsehen und Anfassen die schönen Details.
Last, but not least war dann mein Lolita-Näh-Panel am Sonntag! Und ich bin echt happy gewesen, dass er auch dieses Mal sehr gut besucht war. Ich habe ca. 35 Teilnehmer gezählt, die mich nach dem Vortrag förmlich mit Fragen bombardiert hatten! Auch gab es viele interessierte Rückfragen zu den Dingen, die ich im Panel erwähnt hatte, wie etwa zu der Otome no sewing.
Ich danken allen, die da waren, und so viel Interesse und Wissbegierde mitbrachten! Da geht mir einfach das Herz auf, wenn ich mit anderen über das gemeinsame Hobby sprechen kann.
Leider habe ich kein schönes Foto von meinem Outfit am Sonntag gemacht, von daher müsst ihr euch mit einem Selfie vorliebnehmen. Das Outfit war übrigens an dem Charakter Sophie aus Das wandelnde Schloss von Ghibli angelehnt gewesen, aber in der Lolita-Version. Von daher glaube ich nicht, dass mich wer als solche erkannt hatte.
Zum Schluss kann ich zu der DoKomi 2019 sagen, dass ich viele Highlights in puncto Leute treffen und wiedersehen hatte, aber von der Con an sich nicht so viel cooles für mich entdeckte. Ich besuche oder bin Teil der Con seit ca. 2009, seit dem zweiten Jahr durchgehend bis heute: viele Jahre als Aussteller, dann als Tea-Party-Orgateam und die letzten Jahre als Workshopleiter. Von daher verliert die Con auf Dauer irgendwann den Vorfreude- und Neues-erleben-Faktor, weil ich sie so lange schon kenne. Aber schön ist sie dennoch und ist immer wieder ein toller Termin am Pfingst-WE.

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